Ich bevorzuge eine unbequeme, gut begründete Antwort gegenüber einer angenehmen Behauptung. Das gilt auch dann, wenn die Behauptung meine eigene Vermutung bestätigt. Zustimmung ist kein Wahrheitskriterium – und eine selbstbewusst formulierte Antwort ist noch kein Wissen.
Meine Prüfreihenfolge
Zuerst müssen die Begriffe klar sein. Danach folgen die Prämissen: Welche nehme ich an, welche sind belegt? Erst dann lässt sich prüfen, ob der Schluss logisch folgt. Zusätzlich trenne ich drei Fragen, die oft vermischt werden: Ist ein Argument gültig, ist seine Ausgangslage empirisch plausibel und wäre sein Ergebnis überhaupt wünschenswert?
Bewusstsein und das chinesische Zimmer
Das Gedankenexperiment des chinesischen Zimmers trifft einen meiner wiederkehrenden Zweifel an künstlicher Intelligenz: Perfekte Symbolverarbeitung kann von aussen wie Verstehen aussehen, ohne dass damit inneres Erleben bewiesen wäre. «Syntax ist nicht Semantik» ist ein starkes Argument – aber kein endgültiger Nachweis, dass ein Gesamtsystem niemals verstehen könnte.
Selbstbild als Hypothese
Auch das eigene Ich ist keine neutrale Messung. Erinnerungen werden ausgewählt, Erfahrungen in eine Erzählung eingeordnet und Gegenbeispiele leicht übersehen. Deshalb behandle ich Sätze wie «Ich bin eben so» besser als überprüfbare Hypothesen. Korrigierende Erfahrungen können ein altes Selbstbild verändern, ohne die Vergangenheit zu leugnen.
Faire Gegenposition statt Scheindebatte
Eine Gegenposition ist erst dann widerlegt, wenn ihre stärkste plausible Form geprüft wurde. Bei Evolution, Zufall, Bewusstsein oder übersinnlichen Behauptungen will ich deshalb weder reflexhaften Spott noch tröstende Mystik. Entscheidend sind Erklärungskraft, überprüfbare Vorhersagen und die Frage, welche Beobachtung meine bevorzugte Deutung widerlegen würde.
FRAGE ZUM THEMA«Welche Beobachtung würde mich zwingen, meine liebste Erklärung aufzugeben?»